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Archiv der Einträge: 09 Juni, 2010
  • Ein Gaukler für alle

    Mehr Mut, verlangt er. Mehr Mut von Politikern, die Dinge auch mal beim Namen zu nennen, Kontroversen zu suchen, Risikobereitschaft generell. Mehr Mut, denn es bräche nicht gleich alles zusammen. Phrasenhaftes Gedresche, doch erquickliches Labsal für die bürgerliche Mitte - Gauck, der alternative Bundespräsident, der freigeistige, humane Streiter, der besser zum Präsidenten aller Deutschen taugt, als sein jüngerer Zwilling aus Hannover: er weiß seiner Klientel zur Ohrenweide zu werden.

    Zeigt mehr Mut, erklärt er der Welt, einen Mut, wie Gerhard Schröder damals. Gauck der Verklärer sozialdemokratischer Wohltaten: "Als Bundeskanzler Schröder einst die Frage aufwarf", so schwatzt er, "wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen. Und es begann eine Phase, in der Politik und Risiko zusammen gingen. Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder." Mut wie Schröder, mehr Mut zur Reform, Mut zu neuen Hartz-Experimenten. Gauck: das ist der nonkonformistisch duftende, der sich unpolitisch anfühlende Kandidat - der Kandidat aller Deutschen. Einer, der wenig übrig hat für die Habenichtse; einer, der die Mittellosen kritisierte, weil sie sich immer montags trafen, zu Demonstrationen, zu Montagsdemos. Töricht und geschichtsvergessen seien jene gewesen, die den Begriff "Montagsdemo" verwendeten, kritisierte Gauck dereinst. Heute ist er es, der seine possierliche und törichte Geschichtsvergessenheit zur Schau stellt, weil er aus Schröder einen waghalsigen und mutigen Herkules spinnt. Was für ein selbstgerechter Offenbarungseid!

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    Argumente gegen den Super-Gau(ck)

    Gegenargument 1: Schwarzbuch des Kommunismus = Totalitarismustheorie

    Gauck ist nicht nur überzeugter Anti-Kommunist – damit könnte man ja zur Not noch leben.
    Gauck ist Mitherausgeber einer deutschen Neuauflage des „Schwarzbuch des Kommunismus“.

    Funktion: Verharmlosung des Nationalsozialismus, Infragestellen der Einzigartigkeit des Holocaust

    Die Hauptaussagen lauten:

    Der Kommunismus kann als räumlich und zeitlich einheitlich begriffen werden, eine Differenzierung ist nicht notwendig: ‘Stalinismus und Kommunismus, das ist dasselbe’

    • Die Idee einer sozialistischen Revolution ist von Anfang an verbrecherisch, weil sie die bürgerliche Klasse für historisch überholt erachtet und so deren Liquidierung als Klasse gerechtfertigt wird

    • Die Totalitarismus-Theorie ist der Analyse-Rahmen; es gibt einen ‘Klassentotalitarismus und einen ‘Rassentotalitarismus’, die zu ‘Klassengenozid’ und ‘Rassengenozid’ führen

    • Der Rassengenozid der Nazis ist also kein singuläres Verbrechen; im Gegenteil ließen sich die Nazis bei den ‘Techniken der Massengewaltausübung von den Kommunisten …inspirieren’

    • Dagegen sind die Opfer des Kommunismus schlimmer dran als die des Faschismus: ‘Im Unterschied zur jüdischen Tragödie – die internationale jüdische Gemeinde hält die Erinnerung an den Völkermord wach – war es den Opfern des Kommunismus und ihren Angehörigen lange verwehrt, das Gedächtnis des tragischen Geschehens in der Öffentlichkeit zu pflegen, da jegliche Erinnerung oder Rehabilitationsforderung verboten war.’

    • Daran schuld sind zwei Gruppen: ‘Israel benutzt gewisse Dinge, um international Politik zu treiben’. Und: die Linke, die immer noch nicht mit der Idee der Revolution abgeschlossen hat, statt Trauerarbeit zu leisten und die Verbrechen des Kommunismus endlich mal wahrzunehmen. 70 Jahre Stalinismus-Kritik der Linken von Trotzki über Korsch, Lukacs, Marcuse bis Mandel und wie sie alle heißen haben ihren Weg in die maoistische Gummizelle offensichtlich nicht gefunden

    Die Juden sind schuld. “Die internationale jüdische Gemeinde hält die Erinnerung an den Völkermord wach” – während die Erinnerung an die Opfer des Kommunismus den Überlebenden und ihren Angehörigen “lange verwehrt” gewesen sei. Haben die Juden auch dabei die Hand im Spiel gehabt? Wie auch immer, es zählt das Ergebnis: “Nach 1945 erschien der Genozid an den Juden als das Paradigma moderner Barbarei, und zwar so sehr, daß er allen Raum für die Wahrnehmung von Massenterror im zwanzigsten Jahrhundert beanspruchte.” Der zweite Teil des Satzes ist nachweislich falsch; die mehr als deutlichen Anspielungen auf den “jüdischen Einfluß in der Welt” zeigen, daß Courtois das antisemitische Ressentiment zu nutzen weiß.

    Auch Gauck zieht in seiner Biografie Vergleiche zwischen NS und DDR-Diktatur:

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  • Parmesan und Partisan, alles wid zerrieben - Neues aus der Anstalt 9.06.10 - 36, 2/6

  • Interview mit Norbert Blüm zum Thema Leiharbeit


    Danke, Herr Blüm........

  • Freiheit und Wahn deutscher Arbeit.

    Den Nationalsozialisten gelang es, die entfremdete Arbeit zu erotisieren, die "Arbeit an sich". Der nationale Gründungsmythos "deutsche Arbeit" galt als Ort der "Unschuld". Mit Luther und Hitler: Nicht was, sondern wie einer arbeitet, zählt. ...

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    Freiheit und Wahn deutscher Arbeit.

    Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.

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    Holger Schatz, Andrea Woeldike

     

    Cover in groß "Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. " Holger Schatz, Andrea Woeldike Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. ISBN: 3-89771-805-7 Ausstattung: br., 200 Seiten Preis: 16.00 Euro ?

    Den Nationalsozialisten gelang es, die entfremdete Arbeit zu erotisieren, die "Arbeit an sich". Der nationale Gründungsmythos "deutsche Arbeit" galt als Ort der "Unschuld". Mit Luther und Hitler: Nicht was, sondern wie einer arbeitet, zählt. ... Ein Werk in der Tradition der Kritischen Theorie, stark in der Recherche und marxistischen Analyse.? Gerd Fittkau, konkret

     

    Wie Hannah Arendt bei ihrem Besuch in der gerade gegründeten Bundesrepublik 1950 feststellte, ist die ständige Geschäftigkeit des Deutschen, dessen trainierte Form der Verdrängung der Wirklichkeit. Den Nationalsozialisten gelang es,die entfremdete Arbeit zu erotisieren, die ?Arbeit an sich?. Der nationale Gründungsmythos ?deutsche Arbeit? galt als Ort der ?Unschuld?. Mit Luther und Hitler: Nicht was, sondern wie einer arbeitet, zählt.

    Die Autoren versuchen in der Entstehungsphase der ?deutschen Nation? die Geburt einer ?nationalen bzw. deutschen Arbeit? als historische Partikularität zu belegen. Die deutsche Reformation brachte die protestantische Arbeitsethik, das nur der sich nähren dürfe, der im Schweiße seines Angesichts dem lieben Herrgott arbeitend dient im Unterschied zum Calvinismus und Puritanismus. Nachdrücklich wird daran erinnert, warum Schüler in diesem Lande fast zwei Jahrhunderte die ?Glocke? auswendig lernen mussten. Der Mythos der ?deutschen Arbeit? mit den Wunschmerkmalen Fleiß, Disziplin und Pünktlichkeit bekam in der deutschen Romantik eine Erlösungs- und Befreiungsmetaphorik.

    Schatz/Woeldike zeichnen nach, dass dieses Bild des tüchtigen Michel immer begleitet wurde von Ausgrenzungsprozessen und Hasstiraden gegen die ?Nicht-Arbeiter?. Luther polemisierte gegen die Juden als vermeintliche Wucherer, der ?Romantiker? Fichte wurde bemerkenswert ausfallend und von Wagner und Nietzsche ist es bekannt. Das Bild des Wucherers wird ab der Gründerzeit vom ?bösen jüdischen Finanzkapital?
    abgelöst, das scheinbar einer Erlösung des produktiven ?Volkes? (Arbeiter und Industriekapital) entgegenstehe.

    Die Spitze des ideologischen Aussatzes erreichen die Nationalsozialisten mit ihrer ?Versöhnung? des produktiven ?Volkes? in einer korporativen Volksgemeinschaft mit gleichzeitigem Vernichtungswahn gegen die vorgeblichen ?Schmarotzer?. Der ?rheinische Kapitalismus? zeichnet sich bis heute durch Sozialpartnerschaft und Bündnis für Arbeit aus. Ein Muster, dass sich schnell mit Ressentiments aufladen lässt, wie die letzten 10 Jahre im besonderen zeigen.

    Ein Werk in der Tradition der Kritischen Theorie, stark in der Recherche und marxistischen Analyse. Leider wird eine stärkere sozialpsychologische Grundierung des Wahns vernachlässigt. Kurz werden Ernst Jüngers ?Arbeiter-Soldaten? skizziert und das Gegensatzpaar ?Gesund-Krank? gänzlich gemieden, dass im NS-Staat ein besonderes Wahnbild eines ?gesunden, produktiven Volkskörpers? annahm.
    Gerd Fittkau, konkret...

    Quelle:

    http://www.unrast.org/unrast,2,10,5.html

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